Erfahrungsbericht: Die unvorstellbare Kälte

Erfahrungsbericht: Die unvorstellbare Kälte

❄️ Wenn die Kälte wehtut

Ich bin jetzt schon ein paar Jahre, Sommer wie Winter, in Darmstadts Straßen unterwegs, um obdachlose und bedürftige Menschen mit allem zu versorgen, was gebraucht wird. Aber gerade in den letzten Wochen frage ich mich immer öfter, wie die Menschen das eigentlich schaffen und überleben können.

Ich bin maximal 3–4 Stunden am Tag in dieser Kälte unterwegs. Dabei bin ich sehr warm angezogen und bewege mich viel: Ich ziehe meinen Bollerwagen oder laufe ständig zu meinem Auto, um Schlafsäcke, Essen und Kleidung zu holen. Eigentlich sollte man meinen, dass das hilft, um nicht auszukühlen. Aber ich komme da wirklich an meine Grenzen. Vor allem die Füße sind irgendwann so kalt, dass sie richtig wehtun. Meine Schuhe sind dicht, haben keine Löcher – und trotzdem habe ich das Gefühl, als hätte ich gar keine Schuhe an.

🧤 Der harte Alltag auf dem Asphalt

Menschen, die auf der Straße leben, sitzen oder liegen meistens an einem festen Platz. Sie stehen oft nur im Notfall auf. Häufig sind ihre Schuhe durchgelaufen und alles andere als wintertauglich.

Wenn ich meine Touren fast jeden Tag starte, komme ich aus dem Warmen und habe trockene Kleidung an. Die Menschen auf der Straße starten und beenden den Tag im Kalten. Sie legen sich in einem feuchten und meist eiskalten Schlafsack schlafen – denn ist der erst einmal nass, wird er so schnell nicht wieder trocken. Oft fehlt dann einfach die Energie, um sich überhaupt noch aufzuraffen – sei es, um kurz durch ein Kaufhaus zu laufen, um sich aufzuwärmen, oder um eine Einrichtung aufzusuchen. Selbst der Weg dorthin für ein warmes Getränk oder ein warmes Essen kann dann zur unüberwindbaren Herausforderung werden.

🍵 Hilfe, die ankommt

Ich schaffe es zwar nicht, alle Menschen zu erreichen, aber doch sehr viele. Ich habe immer mehrere Kannen Tee dabei und auch heiße Suppe. Natürlich versuche ich, Schlafsäcke, Decken und alles, was sonst noch benötigt wird, zu verteilen.

Am schlimmsten sind die Tage, an denen zu den Minustemperaturen auch noch starker Wind kommt. Das sind die Momente, in denen ich mich frage: Wie geht das? Wie kann man das schaffen? Ich fahre nach meiner Tour in mein warmes Zuhause und trotzdem dauert es Stunden, bis mein Körper wieder richtig warm wird.

❤️ Die Not kennt keinen Feiertag

Aber diese Erfahrung in der Kälte ist wichtig für mich. So weiß ich genau, wie lebensnotwendig das warme Essen und die heißen Getränke sind. Egal ob es ein Neujahrstag oder ein ganz normaler Wochentag ist: Die Not kennt keine Feiertage, kein Eis und keinen Schnee – sie ist einfach immer da.