Wundversorgung auf der Straße
Die Wundversorgung auf der Straße ist ein ganz wichtiges Thema.
Nicht alle Menschen können oder wollen zu einem Arzt gehen. Einige haben keine Krankenversicherung, andere haben große Angst – und oft spielt auch Scham eine Rolle, denn man sieht ihnen an, dass sie auf der Straße leben.
Da ich regelmäßig in Darmstadt unterwegs bin, kennen mich viele Bedürftige und sie vertrauen mir. Mittlerweile hat sich auch herumgesprochen, dass meine Schwester, Gaby Korndörfer, examinierte Krankenschwester ist und sich um genau diese Menschen kümmert.
Leider kommt es immer wieder vor, dass Wunden schon sehr lange nicht versorgt wurden – und das sieht man sofort. Wichtig ist dann, erst einmal ein Vertrauen aufzubauen, damit Gaby sich alles in Ruhe anschauen kann. In den meisten Fällen kann sie direkt helfen, denn es sind meist offene Stellen an den Beinen oder kleine Verletzungen, die durch die fehlende Hygiene immer größer werden.
Je nach Situation müssen wir manche Menschen aber auch zu einem Arzt fahren. Medikamente dürfen wir nicht einfach so geben – das ist ganz klar Aufgabe der Ärzte. In Darmstadt gibt es zum Glück die Malteser in der Martinspfad 72, dort findet jeden Mittwoch von 14:30–17:00 Uhr eine Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung statt.
Viele Bedürftige wissen inzwischen, dass sie mich jederzeit kontaktieren können. Dann vereinbaren wir einen Treffpunkt, an dem Gaby dazukommt. Und fast jedes Mal ist mehr zu tun, als man denkt – meistens warten dann schon mehrere, die versorgt werden möchten.
Die Versorgung offener Beine ist leider sehr kostspielig. Gerade auf der Straße ist die Wundversorgung besonders anspruchsvoll, weil die hygienischen Bedingungen einfach extrem schwierig sind. Genau deshalb müssen wir hochwertige Materialien nutzen, die die Wunde gut schützen und Infektionen verhindern.
Es werden spezielle Wundpflaster benötigt, die alle 4–5 Tage erneuert werden müssen. Eine einzige Auflage kann da schon mal 11 € kosten.
Das Wundgel Granudacyn (50 g) kostet 57 € – und wir müssen die kleine Größe nehmen, weil es nach dem Öffnen nicht mehr lange haltbar ist. Dazu kommen noch Verbandsmaterial und verschiedene Produkte zur Wundreinigung. Das alles verursacht erhebliche Kosten.
Zum Glück unterstützt uns die Apotheke am Hauptbahnhof seit vielen Jahren wirklich sehr großzügig. Ohne ihre Hilfe könnte der Verein das kaum stemmen.








